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Idsteiner Zeitung vom 15.09.2016

Kritischer Konsum im Blickpunkt

NACHHALTIGKEIT Idstein ist seit einem Jahr „Fair-Trade-Town / „Fair Day“ mit dem Kreis im Kulturbahnhof

kulturbahnhof

Mitglieder des Steuerkreises für die „Fair-Trade-Town-Idstein“ zeigen fair gehandelte Produkte Foto: wita/Mallmann

Von Beke Heeren-Pradt

IDSTEIN – Ein Jahr „Fair-Trade-Town“, zwei Jahre „Fair-Trade-Landkreis“: Im Idsteiner Kulturbahnhof wurde doppelt gefeiert, denn der Rheingau-Taunus-Kreis konnte die bestandene „Rezertifizierung“ als Fair-Trade-Region nach zwei Jahren begehen und die Stadt Idstein feierte das einjährige Jubiläum der Verleihung des Siegels „Fair-Trade-Town“. Mit einer kleinen Fair-Trade-Messe und einem Festprogramm wurde der „Fair Day“ gemeinsam gefeiert. Denn Idstein ist die erste Kommune im Untertaunus, der Rheingau-Taunus-Kreis der erste Landkreis in Hessen, die das Siegel erhalten hatten.

„Weltoffen. Politisch. Unwiderstehlich.“ – hatten die Macher des „Fair Day“ als Motto für die Veranstaltung gewählt und dieses mit einem Stück Schokolade illustriert, was schon bildlich auf das wesentliche Thema des Fair Trade hinweist: den Konsum von Produkten, die in Ländern der Dritten Welt produziert werden.

Randbereich im öffentlichen Leben

Mit der Feier der Zertifizierung ging es beim „Fair Day“ in Idstein vor allem darum, den Gedanken des Fair Trade weiter zu verbreiten. „Bisher ist Fair Trade nur ein Randbereich im öffentlichen Leben“, sagt Hans Homberg, Koordinator des Fair Trade im Rheingau-Taunus-Kreis, „wir müssen weiter Aufklärungsarbeit leisten, damit das, was dahintersteht, stärker in den öffentlichen Fokus kommt.“ Vernetzung ist dabei der Grundgedanke, der auch in der Arbeit als „Fair-Trade-Town“ an erster Stelle steht.

Vor diesem Hintergrund waren zahlreiche Akteure des Fair Trade in Idstein und dem Rheingau-Taunus-Kreis im Kulturbahnhof vertreten mit Informationsmaterial und einer Auswahl an Produkten. Allen voran der Idsteiner Weltladen, der in der Weiherwiese als Genossenschaft ein Geschäft mit ehrenamtlich arbeitendem Personal betreibt. 100 Prozent Fair Trade sind die Waren, die dort angeboten und verkauft werden: eine breite Palette vom Kaffee über die Schokolade bis hin zu Kinderspielzeug und Kleidung.

„Global denken, lokal handeln“ – das Motto der Agenda 21 aus den neunziger Jahren des letzten Jahrhunderts zitierte Monika Merkert, Dezernentin für Jugend, Gesundheit und Fair Trade des Rheingau-Taunus-Kreises, in ihrem Grußwort und wendete es auch auf die Fair-Trade-Bewegung an. Idsteins Bürgermeister Christian Herfurth betonte, dass die Zertifizierung der Stadt ein erstes Ziel war, dass aber weitergearbeitet werden müsse, damit auch Idstein die „Rezertifizierung“ erreiche.

Hintergründe des Engagements

„Kritischer Konsum“, „Nachhaltig leben“, „Fair investieren“ – das sind drei der Schlagworte der deutschen Handelsgesellschaft „GEPA“, dem größten europäischen Händler von Fair-Trade-Produkten. Bede Godwyll, bei GEPA zuständig für Weltläden in Deutschland, erläuterte in einem Vortrag die Hintergründe des Engagements seiner Gesellschaft für fairen Handel in der Welt, den Versuch der Handelsgesellschaft, die Dominanz der weltweit agierenden Lebensmittelkonzerne mit ihrer Politik zu brechen, in der alle Stufen der Wertschöpfungskette, vom Produzenten bis hin zum Konsumenten, in einer Hand, in der der GEPA, verankert sind.

Diese handelt ihrerseits direkt mit den Produzenten Preise aus und garantiert diese unabhängig von Weltmarktpreisen. Käse von der Domäne Mechthildshausen, Obst und Gemüse von „Gesund und Munter“, Chips und Snacks von „Snack Attack“ und Schokolade aus dem Weltladen wurden von den Gästen gerne probiert. Am Stand der katholischen Gemeinde konnte sogar Sudoku gespielt werden – mit den neun Hauptprodukten, die der Arbeitskreis „Fair Trade“ der Gemeinde verkauft.

 

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