Faire Preise im gerechten Handel

Idsteiner Zeitung vom 13.05.2022
Zum Internationalen Tag des fairen Handels: Idsteiner Weltladen geht seit zehn Jahren mit gutem Beispiel voran

Seit vielen Jahren für den Idsteiner Weltladen ehrenamtlich aktiv: Michael Klas (links) und Iris Wachendorf. – Foto: Stefan Gärth

Von Volker Stavenow
IDSTEIN. Der Idsteiner Weltladen wurde 2012 als Genossenschaft gegründet. Das zehnjährige Bestehen wird am 12. Dezember 2022 gefeiert. Der Weltladen macht am Weltladentag am 14. Mai – gleichzeitig internationaler Tag des fairen Handels – mit. Das Geschäft gehört dem Dachverband der Weltläden an.

Die im Idsteiner Stadtteil Heftrich wohnende Iris Wachendorf arbeitet seit sechs Jahren ehrenamtlich im Idsteiner Weltladen mit. „Ich bin mit einer Kollegin speziell für den Einkauf von Kunsthandwerk zuständig. Die Produkte des Weltladens werden auf faire Weise gehandelt. Das heißt, die Produzenten bekommen einen fairen, gerechten Anteil vom Preis, mit denen wir ihre Produkte verkaufen.“

Laut Iris Wachendorf hat der Idsteiner Weltladen sehr unterschiedliche Anbieter bei den Lebensmitteln und dem Kunsthandwerk, die auch wechseln. „Im Moment haben wir, wie alle anderen auch mit Produktions- und Lieferschwierigkeiten zu kämpfen. Aber wir bemühen uns, immer ein großes Sortiment anbieten zu können, damit für jeden etwas dabei ist.“ Der Weltladen sei aber gut durch die Corona-Pandemie gekommen. Das Geschäft habe nur drei Monate schließen müssen, weil es auch Lebensmittel anbiete.

Als Kunsthandwerk bietet der Idsteiner Weltladen zum Beispiel Lederwaren, Schals, Textilien, Handtücher, Küchentextilien, Geschirr, Porzellan, Glaswaren, Postkarten und Schreibwaren an, hat eine kleine Ecke mit Kinderartikeln, eine Yogaecke, Utensilien aus Filz oder Holzwaren. „Aus Burkina Faso haben wir Skulpturen. Die werden etwa aus alten Fässern hergestellt. So entstehen beispielsweise Schalen oder Tabletts.“

Die Kunsthandwerkssachen kommen aus der ganzen Welt. Da alles Handarbeit ist und über weite Wege angeliefert werden muss, sind die Produkte entsprechend teuer. Im Idsteiner Weltladen ist der Hauptschwerpunkt Lebensmittel, in erster Linie Kaffee und Schokolade. Es gibt aber auch Tee, Süßwaren, Öle, Gewürze, Chutneys, Getreidearten, Bohnen, Reis oder Wein.

Der Idsteiner Weltladen zog mehrfach in Idstein um, bevor er jetzt – seit drei Jahren – in der Schulze-Delitzsch-Straße seinen Stammplatz fand. Zunächst war er in der Schützenhausstraße zu finden, danach in der Weiherwiese. Der Umzug in die Schulze-Delitzsch-Straße habe dem Weltladen sehr viel gebracht. Das sei der beste Standort, vor allem für die Laufkundschaft, weiß Iris Wachendorf. „Wir haben ein Einkaufspublikum, das preislich höher orientiert ist. Vom Alter her ist es einmal die Bank durch.“

Mitarbeiter erklären ihren Kunden den fairen Handel

Ihr ehrenamtlicher Kollege Michael Klas, Aufsichtsratsvorsitzender der Genossenschaft

des Weltladens, ergänzt: „Die Kundschaft hat nach meiner Ansicht folgende Orientierung: Sie erachtet den fairen Welthandel als richtig und bezahlt deshalb auch die Produkte gerne. Aber oft ist es für uns nach wie vor eine schwierige Diskussion, die höheren Preise für zu 100 Prozent fair gehandelten Produkten in unserem Weltladen zu erklären, zum Beispiel bei Kaffee.“ Aber das wollten die ehrenamtlichen Mitarbeiter des Weltladens den Kunden auch immer wieder gerne erklären. „Der Hintergrund ist, dass es Menschen in der Welt gibt, die für ihre Produkte einen fairen Preis bekommen, davon leben und darauf setzen können, dass das auch kontinuierlich so bleibt. Das ist unser eigentlicher zentraler Auftrag“, so Klas, der seit zehn Jahren dabei und auch einer der das Stammkapital haltenden 31 Mitgenossen ist.

Der Weltladen-Dachverband gibt laut Iris Wachendorf sehr genaue Vorgaben für diesen 100-prozentigen Fair-Handel. Die Produkte des Weltladens unterliegen diesen Vorschriften. „Es ist ein Qualitätsstandard für unser Geschäft!“ Weitere Weltläden gibt es nicht mehr im Rheingau-Tausus-Kreis, sondern erst wieder in Wiesbaden und Hofheim im Main-Taunus-Kreis.

„Wichtig ist der Weltladen-Tag am 14. Mai, um dezidiert darauf hinzuweisen, dass es unfair ist, wenn nur viel produziert wird, aber wir nicht die tatsächlichen Kosten einhalten. Was muss ein Liter Milch zum Beispiel kosten, dass ein Bauer davon leben kann? Dann kostet der Liter Milch 1,80 Euro. Der Bauer bekommt davon 53 Cent – und kann damit leben“, erläutert Klas. Darauf wolle man aufmerksam machen. Wenn fair gehandelte Produkte über faire Lieferketten angeboten würden, dann habe das eben auch seinen Preis.

„Am 14. Mai machen wir eine spezielle Deko im Schaufenster, die sich auf dieses Thema bezieht. Außerdem gibt es eine Schauwand mit Produkten, die wir als Beispiel anbieten, Flyer und einen Stehtisch vor dem Geschäft. So wollen wir die Menschen direkt ansprechen“, schildert Iris Wachendorf. Für die Zukunft soll sich der Idsteiner Weltladen mit weiteren Produkten weiter entwickeln, beispielsweise auch mit Textilien.

Internationaler Tag des fairen Handels
►„ Mächtig unfair” – unter diesem Motto findet am Samstag, 14. Mai, der diesjährige Weltladentag statt. Er ist gleichzeitig der internationale Tag des fairen Handels.
► Der Weltladen-Dachverband und das Forum „Fairer Handel” nehmen den Tag zum Anlass, um auf die unfairen Preise aufmerksam zu machen, welche Produzenten an den Anfängen globaler Lieferketten für ihre Produkte erhalten.
► Dies betrifft überwiegend die Länder des globalen Südens, aber auch hier in Deutschland sind Bauern mit den Dumpingpreisen oft nicht in der Lage, ihre Produktionskosten zu decken.
► Der Idsteiner Weltladen beteiligt sich am Weltladentag mit einer Schaufenstergestaltung und Infos zu diesem Thema.

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